Sklavenmarkt Europa
Plain black hardback bookNach Schätzungen einer UN Behörde,  der International Labour Organization (ILO) in Genf leben weltweit 14,2 Millionen Menschen unter sklavenähnlichen Umständen oder werden, wie die meisten Opfer in Asien, in Prostitution und in Zwangsarbeit als Sklaven gehalten. Aufgeteilt nach Geschlecht und Alter betrifft diese extreme Art der Ausbeutung zu 59 Prozent Frauen, zu 14 Prozent Männer, zu 17 Prozent Mädchen, zu 10 Prozent Jungen. Sie trifft also Menschen beider Geschlechter und unterschiedlicher Generationen. Menschenhandel ist ein Wachstumsmarkt, weil Armut auf der Welt ungebremst wächst. Kriminelle Organisationen liefern weltweit zwischen 600 000 und 2,5 Millionen Menschen pro Jahr als „frische Ware“ auf die Absatzmärkte.“ -*
So ganz aus dem Zusammenhang gerissen, erscheint uns diese Aussage vielleicht zwar als erschreckend, wir empfinden sogar Mitleid mit den armen Opfern, doch in der Regel stellen wir uns dann doch die Frage, was  haben  wir hier in Europa eigentlich damit zu tun? In Asien, ja, da stammen doch auch all die Mongolenvölker her, da gibt es die grausame Ein-Kind-Politik, und die da essen sogar Hunde… Aber wir hier in Europa, eingebettet in Zivilisation und Wohlstand, alles ehrbare Bürger, sitzen doch abends lieber beim Wein oder beim Grillfest zusammen und sehen überhaupt gar keine Veranlassung, uns dieses durch derartige Gedanken zu vermiesen. Denn, wie schon gesagt, was haben eigentlich wir damit zu tun?
Dabei floriert das Geschäft vom Balkan bis in die Schweiz, von Großbritannien bis Italien, von Frankreich bis in die Türkei – und erst recht im größten Markt Deutschland. Nicht umsonst sind 40.000 Frauen und Männer der Bundespolizei, allesamt dem Innenministerium unterstellt, an vielen Außenstellen beschäftigt. *- „Ihrem Auftrag entsprechend, gegen illegale Migration vorzugehen, bedienen sie sich einer Taktik, die bereits 50 Kilometer vor einer Grenze in einem „Fahndungskorridor“ zum Einsatz kommt. Die Rede ist von einer Art Schleierfahndung, bei der in mehr oder weniger breiten Korridoren entlang von Grenzen verdachtsunabhängige Personenkontrollen durchgeführt werden. Inzwischen ist das in den meisten Bundesländern ein Relikt aus besseren schlechten Zeiten. Denn bei offenen Grenzen gibt es in Europa andere weit offene „Korridore“, um ans Ziel zu gelangen. Also sind Ermittlungen in ethnisch geprägten Ghettos der Großstädte erfolgversprechender. In Deutschland wären das zum Beispiel Berlin, Dresden, Frankfurt, Köln, Hamburg und das gesamte Ruhrgebiet.“ „Falls ein erfolgreicher Bordellier neue Laufhäuser eröffnen will, weil das Geschäft mit Sex europaweit so gut läuft, braucht er frische Ware für seine aus allen sozialen Schichten stammenden Kunden. Er muss mehr anbieten können als die Konkurrenz. Mögliche Objekte der Begierden seiner Klientel lässt er legal in jenen Push-Ländern anwerben, die bereits zur Europäischen Union gehören, wo Freizügigkeit , auch wenn die in Bordellen endet, garantiert ist. Freiwillige gibt es zum Schnäppchenpreis. Entsprechend günstig können sie in den Pull-Ländern auf den Märkten angeboten werden. Vergleichbar den All-you-can-eat-Offerten in billigen Gaststätten, locken Puffs mit Flatrates. Wer will, darf, so oft er kann. Geiz macht geil. Jungen Roma-Mädchen, alle angeblich über achtzehn, was sich aber nicht nachprüfen lässt, hängten ihre Zuhälter in einer deutschen Großstadt im Ruhrgebiet ein Pappschild um den Hals und schickten sie auf die Straße. Darauf stand: „Ficken 5 Euro“. -*
Egal, ob im Bereich der Prostitution, des Organhandels, der Arbeits-sklaven oder der Pädophilie – keine Mittel werden seitens der Menschenhändler gescheut, um die „Ware Mensch“ in den meisten Fällen buchstäblich „an den Mann zu bringen“. Mit Hilfe des Internets lassen sich verräterische Spuren leicht verwischen, und die Opfer, aus Angst vor oder Abhängigkeit von ihren Peinigern schweigen, sollte den Ermittlern doch mal ein Coup gelingen.
Michael Jürgs suchte die Dunkelfelder des Verbrechens auf, nahm teil an Razzien der Bundespolizei und an Strategietagungen von EUROPOL, sprach mit Experten von Frontex, Scotland Yard und der UNO, interviewte deutsche und europäische Politiker, traf in nichtstaatlichen Hilfsorganisationen auf mutige Frauen, die Zwangsprostituierten beim Ausstieg helfen. Anhand zahlreicher Beispiele dokumentiert er eindringlich Ausbeutung und Schicksal der modernen Sklaven. Sein Fazit: Menschenhändler müssen bekämpft werden wie Terroristen. Mit allen Mitteln.
„Sklavenmarkt Europa“ ist ein Buch für alle die, die nicht wegschauen oder weglaufen wollen, vor dem, was auch heute noch in Deutschland und anderen europäischen Ländern direkt vor unser aller Augen, manchmal sogar in der direkten Nachbarschaft, so alles passiert. Beeindruckend ist auch der Vergleich der Sklaverei von damals zu heute, der zeigt, dass die Skrupellosigkeit sich in nichts unterscheidet; nur die Methoden haben Fortschritte gemacht!
Zum Autor: Michael Jürgs war Chefredakteur der Zeitschriften „Stern“ und „Tempo“ und schreibt für die „Süddeutsche Teitung“, den „Tagesspiegel“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Er verfasste viele Sachbücher und Biografien, die Bestseller und zum Teil auch verfilmt wurden, u. a. „Der Fall Romy Schneider“ (1991), „ Der Verleger – der Fall Axel Springer“ (2001), „Bürger Grass“ (2002), „Der kleine Frieden im Großen Krieg“ (2003), „Die Jäger des Bösen“ (2011), „Codename Hélène“ (2012). Seine Streitschrift „Seichtgebiete – warum wir hemmungslos verblöden“ war 2009 ein Megaseller. Und auch „Sklavenmarkt Europa“ scheint ein voller Erfolg zu werden.
*- Zitiert aus dem Buch „Sklavenmarkt Europa“                                  Angela Antrop

Michael Jürgs
Sklavenmarkt Europa
Das Milliardengeschäft mit der Ware Menschen
1. Auflage
2014 by C. Bertelsmann Verlag, München
19,99 € (D)
352 Seiten
ISBN-Nr. 978-3-570-10187-2