Tanz mit Spaß gegen Parkinson und Demenz

„Es gibt in Deutschland eine große Anzahl neurologisch erkrankter Menschen, davon sind 1.400.000 Personen von Demenzerkrankung betroffen, und dies Zahl wird sich bis 2050verdoppeln. Der Anteil der Erkrankten in der Altersgruppe der 80-bis 84-Jährigen steigt dann auf 15,7 Prozent, bei den Über-90-Jährigen sind es dann 41Prozent.“( Westfälisches Ärzteblatt 2/13) Diese Zahlen schockieren, zeigen aber, dass ein Problem in den Fokus von Ärzten und nicht zuletzt auch Therapeuten getreten ist und Handlung  erfordert.

Nach wie vor ist der „Schameffekt“ in den Familie von neurologisch Erkrank – ten sehr groß. Die Isolierung der Parkinson- und Demenzbetroffenen wächst. Dabei wäre das Gegenteil so wichtig!

Hier kommt  Peter Wolf, Chef der Tanzschule Teubner-Schneider, zu Worte: “Demenz kann man nicht reparieren, doch man kann sie aufhalten!“. Nach einer Fortbildung zum „Reha-Übungsleiter Neurologie“ bietet er seit über einem Jahr in seiner Tanzschule Kurse speziell für Demenz – und Parkinson-Erkrankte an. Auf der Grundlage des Reha-Sports lernen die Betroffenen gemeinsam unterschiedliche Tanzformen und fördern dadurch Koordination, Merkfähigkeit, Reaktionsvermögen und Feinmotorik. Studien belegen, dass durch rythmische Musik und Bewegungen im Gehirn neue Synapsen gebildet werden.

„Wir freuen uns schon immer auf den Dienstag“, sagen Brigitte und Ewald Biermann, um dann sich zu den anderen Paaren auf die Tanzfläche zu begeben.„Tanzen hilft aus der Isolation heraus“, ist Peter Wolfs Erfahrung. Wenn sich alle zum Kursus treffen, dann wird erst ein- mal „gequatscht“, Kaffee oder Tee getrunken, und dann geht es los mit Bewegung im Kreis. Man fasst sich an den Händen an, macht gemeinsame Schrittfolgen zu bekannter Musik. Die Paare finden sich dann je nach Situation und Befinden, denn mancher muss auch zwischen durch eine Pause machen. So finden sich auch Marianne Zürndorf und Adelheid Greve zu einem Tanz, wenn andere fehlen. In Bewegung zu kommen, obwohl man dem Sport eher abgeneigt ist, hat über das Tanzen eine größere Chance. Die Freude am Tanzen ist auch Edeltraut und Arno Müller  anzusehen, obwohl sie konzentriert den Anregungen von Peter Wolf folgen.

Nach dem Peter Wolfs Kursus „Tanz gegen Demenz“ auf große Reso- nanz gestoßen war, sprach er umliegende Altenheime an, um dort  vor Ort mit den Seniorinnen und Senioren in Bewegung zu kommen.

Das Interesse an der „Probestunde“ im Matthias-Claudius-Haus war groß, der Saal war mit über 50 Teilnehmern übervoll. Mit Klatschen zum Rhythmus, Mitsingen der bekannten Melodien (z.B.“Wir wollen niemals auseinander gehen“) und mit immer mutiger werden Füßen wurden die ersten Hem- mungen überwunden.  Auf die korrekten Tanzschritte achtete hier niemand. Spaß sollte es machen! Da fiel es gar nicht auf, dass die Bewohner so ganz nebenbei ihre Muskulatur trainierten und ihren Gleichgewichtssinn verbesserten.

Peter Wolf hat viel Unterstützung für sein anspruchsvolles Projekt bei Fach- leuten gefunden, die ihn auch wissenschaftlich begleiten:

  • Elke Zimmermann (Sportwissenschaftlerin an der Universität Bielefeld)
  •  Dr. Christine Thomas (Gerontopsychiatrie Ev. Krankenhaus Bielefeld)
  • Prof. Dierk Dommasch  ( ehemaliger Leiter/ Neurologie Gilead)
  • Prof. Hanfried Mielke(Chefarzt Innere Medizin/ Rheumatologie, Ev. Krankenhaus Bielefeld)
  • Parkinson-Spezialist Prof. Peter Vieregge (Klinikum Lemgo)
  • Prof. Wolf-Rüdiger Schäbitz (Chefarzt Neurologie Ev. Krankenhaus Bielefeld)
  • Dr. Theodor Windhorst (Präsident der Ärztekammer Münster)
  • Schirmherrin ist Anja Ritschel, Beigeordnete der Stadt Bielefeld und Vorsitzende der kommunalen Gesundheitskonferenz.

Christel Wiemers