Songdrama oder Zukunftsvision, die Premiere war am 22.11.14 TAM ? Eine überwältigende Premiere war es auf jeden Fall! Theater und Altenheime leben nun mal von ihren „Gästen“ und mit einer guten Prise schwarzen Humors hat die gelungene Inszenierung von Michael Heicks diese Tatsache bestätigt.

Das Leben in einem Altersheim könnte so spannend sein…mit viel guter Musik, Tanz, Lebens-und Liebeshunger….auch ruhig mal einem kleinen Joint zwischendurch…ließe es sich schon aushalten! Rock`n Roll statt Kinderliedern zum Mitklatschen, Head banging statt Seniorengymnastik… da keimt doch Hoffnung auf für unsere Generation, die mit banger Vorahnung dieses Thema meistens verdrängt. Neue Altersbilder, realer und lebensnaher….sozusagen „kundenorientiert“ vermittelt uns das Stück von Erik Gedeon. Denn mal ehrlich….welcher Hippie von damals will leben wie sein eigener Großvater….auch wenn ihn mal die Zahnprothese drückt oder er statt der Gitarre den Gehstock schwingt.

Das Problem ist eher gesellschaftlicher Natur, was uns die junge blonde Krankenschwester (Katharina Solzbacher) schonungslos offenbart. Kindische Altersbilder, Fremdbestimmung, alltägliche Entmündigung und eine arrogante Selbstgewissheit der Jugend. „Sterben“…. singt sie mir ihrer schmeichelnden Stimme…sarkastisch, ironisch und zuckersüß. Natürlich weiß jeder im Altenheim, dass hier die Reise zu Ende geht…leider wird nur zu oft das Leben vermieden. Ewig jung bleiben ist sicher nicht die Lösung; aber lebendig sein, Freude erfahren, die eigene Persönlichkeit bewahren und Liebe leben, machen auch das hohe Alter lebenswert.

Die beeindruckende Darstellung der Bielefelder Schauspieler macht auf sehr erheiternde Weise die Lebensvermeidung deutlich, die sich real nicht nur auf dieses spezielle Altenheim der Bühne bezieht. Bei allem Spaß und spontaner Komik, auf die sich der Zuschauer freuen darf, bleibt ein Funken rebellischer Hoffnung darauf, dass wir anders leben …2050?

Gabriele Maria Richter

Pressefoto: Joseph Ruben