Chorkonzert Vocapella-Ostwestffälischer Kammerchor

– Männer und Frauen besungen –

Erstes Vocapella-Konzert mit Gottfried Braun

Vor einem Jahr übernahm der Kantor der Jakobuskirche, Gottfried Braun, die Leitung des Kammerchors „vocapella – Ostwestfälischer Kammerchor Bielefeld“. Vocapella steht seit fast 30 Jahren für ein  abwechslungsreiches Repertoire, das für das Publikum in Themenkonzerten pfiffig aufbereitet wird.In diesem Jahr hatte sich der Chor das Thema „Männer und Frauen“ vorgenommen,wohl wissend, dass mit den meisten Liedern zwar Stereotype bedient werden, die aber auch das Salz in der Suppe sein können.

Im ersten Teil des Konzerts erklangen bekannte und unbekannte Renaissance- und Klassikchorstücke von Passerau bis Haydn mit den Themen Liebe und Tod, Ehe und sogar Flöhen, die im 16. Jh. besonders bei den „Weibern“ eine Rolle spielten.

Französisch, altes Italienisch, altes Deutsch – nicht jedes Wort kann sich beim Vortrag erschließen, aber der Chor sorgte auf differenzierte Weise, dass die jeweilige Botschaft ankam. Wenn Passerau etwa in „Il est bel et bon“  die Hennen über den Ehemann gackern lässt, grifft der Chor die Lautmalerei bewusst auf, ebenso beim Charakter der Geliebten in dem berühmten Madrigal „April“ von Morley, deren hartes Herz am Schluss durch akzentuiertes Singen zu hören war. Ein Höhepunkt im ersten Teil waren sicherlich die „Weiber mit den Flöhen“  (de Vento), die von dem Terzett Uta Hammerschmidt, Holger Grube und Thomas Richter überzeugend interpretiert wurden. Routiniert von Eva Braun am Klavier begleitet zeigte der Chor durch zwei Haydnsätze (Harmonie der Ehe, Der Augenblick), dass ihm das Genre „Klassik“ besonders liegt. Aufgelockert wurde der erste Teil zusätzlich durch das „Tagesbuch von Adam und Eva“ (Mark Twain), das für manche aus dem Publikum eine Entdeckung war, empathisch von Almuth Vollandt und Martin Papies vorgetragen. Die Pause, in der Schokolade ans erfreute Publikum verteilt wurde, ließ schon ahnen, dass im zweiten Teil ein Registerwechsel stattfinden würde.Die „leichte Muse“ – die ja gar nicht leicht zu singen ist – eroberte den Saal, mit passender farbenfroher Kleidung der Frauen und mit neun swingenden, poppigen, verträumten und humoristischen Hits des 20. Jahrhunderts.

„Ich will keine Schokolade“  machte Chor, Pianist (Ernst Vollandt) und Publikum gleichermaßen Spaß. Das zum Lied passende einfache Arrangement gibt nur etwas her, wenn es frech interpretiert wird (wer denkt nicht an Trude Herr!), und das gelang  dem Chor  und Vollandt gut. Aufhorchen konnte man auch bei  „Männer“ (Grönemeyer). Zusammenklang und Textinterpretation stimmten: sehr glaubhafte Männer! Bevor es ins gelungene Finale mit „Girls, girls, girls“ ging, boten die Chormitglieder Zita Dopheide und  Holger Grube mit Ernst Vollandt die gesungene Szene „Frühlingsgefühle“, in der sie Liebe und Zukunft im Kopf hat, während er mit seinem Heuschnupfen kämpft. Sie und er überzeugten schauspielerisch und gesanglich. Das Publikum applaudierte am Schluss zufrieden und forderte noch zwei Zugaben.

Der Chor kann nicht nur Klassik, sondern, wie schon oft bewiesen, auch die „leichte“ Kost. Auch mit seinem neuen Dirigenten! Man kann sich auf die nächsten Konzerte freuen.

Ein zufriedener Dirigent

                                                                                                Karin Kleyer kk

www.vocapella-bielefeld.de