Uraufführung mit den Bielefelder PhilharmonikernLiebe, Furcht und andere Dissonanzen, Theater Bielefeld, Tanz Bi
Was hält die Menschen im Innersten zusammen? Zwischen Individuen, wie auch im großen Kollektiv, bilden Emotionen den Kitt oder die Kluft in Beziehungsgeflechten. Wenn der Mensch sich allein von seinen Seelenlagen leiten lässt und abseits von rationalen Erwägungen agiert, bringt dies den gesamten Körper in Schwingungen. TANZ Bielefeld bewegt sich gemeinsam mit den Bielefelder Philharmonikern im ersten Tanzabend der Spielzeit 2016/17 auf der Grundfläche menschlicher Erregungen.
Vier europäische Kompositionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert
bilden den akustischen Raum und demonstrieren in ihrer Vielschichtigkeit wie impulsiv zeitgenössische Musik ist. Die Farben dieser Werke reichen von tiefer Schwere, über folkloristische Leichtigkeit bis hin zu romantischer Lyrik: Tristan Keuris entwickelte mit der Symphonie in D (1995) ein dichtes Werk, welches ebenso zwischen elegischem Stillstand und aufgewühlter Lebendigkeit balanciert. Francesco Antonionis Macchine inutili (2007) zeichnet sich durch seine minimalistische Musiksprache aus, die im Kontrast dazu eine maschinelle Betrachtung forciert. Die Verwandlung 3 (2008) von Wolfgang Rihm führt den Zuhörer durch ein stürmisches Gewitter hin zu einer filigranen Klangwelt. György Ligetis Concert Românesc (1951) ist eine Liebeserklärung an die rumänische Volkskultur, die er bereits mit 26 Jahren zu einem tänzerischen Kurzkonzert stilisierte.Liebe, Furcht und andere Dissonanzen, Theater Bielefeld, Tanz Bi
Bühnenbildner Stephan Mannteuffel schafft jedem Tänzer und jeder Tänzerin einen individuellen Raum in einem verschachtelten
Gesamtkomplex. Doch wenn das Konstrukt »Gemeinschaft« im
wahrsten Sinne des Wortes zusammenbricht, zwingt der Nullpunkt die Gruppe sich und ihre Rituale neu zu erfinden. So sind sowohl der Tanz als auch die Musik und das Bühnenbild sehr fragil und changieren zwischen Polen der Extreme. Und doch bleibt ihnen stets das Streben nach Glück gemein, dessen Ermangelung den Menschen zerreißt, jedoch auch zu einer Gemeinschaft verbinden kann.
Eine tänzerische und choreografische Herausforderung liegt in der
Zusammenführung von Musik und Bewegung, ohne dabei allein in die Synchronizität zu fallen. Ein Gefühl zu spüren und in Bewegung zu transformieren sowie dem Affekt die Pose zu überlassen – das ist die Schwierigkeit. So tastet sich das Ensemble um Simone Sandroni
konzentriert an eine größtmögliche Leichtigkeit heran.
PREMIERE
22.10.2016 um 19:30 Uhr
im Stadttheater
Die nächsten Vorstellungen:
01.11., 06.11., 10.11., 04.12., 14.12., 16.12., 20.12.16, 08.01.,
13.01., 23.02.17
Choreografie Simone Sandroni
Musikalische Leitung Pawel Poplawski
Bühne und Kostüm Stephan Mannteuffel
Dramaturgie Katrin LohbeckLiebe, Furcht und andere Dissonanzen, Theater Bielefeld, Tanz Bi
Tänzer Saori Ando, Tommaso Balbo,  Hsuan Cheng, Kenan
Dinkelmann, Gianni Cuccaro, Jacob Gómez Ruiz, Noriko
Nishidate, Ruud Sanders,  Johanna Wernmo, Elvira Zuñiga
Porras
Bielefelder Philharmoniker
Karten 0521 / 51 54 54
www.theater-bielefeld.de

Fotos: JosehRuben

 

 

Christel Wiemers