Ring des Nibelungen in Miniformat für alle Neugierigen von 8 bis 88 /  Wagner/Dove

Ute und Heinz haben sich beim Wandertag mit ihrer Schulklasse im Wald verirrt. Der Wald ist nicht irgendeiner, sondern beherbergt die Götter, Helden und Heldinnen, die Wagner für seine Opern aus der Sagenwelt und Mythologie entlieh und in „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ agieren ließ.

Die Rheintöchter, Walküren, Sieglinde und Siegmund, Brünnhilde und Siegfried, die Riesen Fasolt und Fafner, Göttervater Wotan und sein Gegenspieler Alberich – sie alle begegnen Heinz, Ute und den Kindern. Wie gut, dass Heinz sein „schlaues Buch“ mitführt, in dem er nachlesen kann, wen sie treffen, und was es mit dem Ring auf sich hat. Nachdem Alberich das Rheingold geraubt hat, um den Ring zu schmieden, der die Macht über die Welt verleiht, wird die Schulklasse mit Ute und Heinz in eine aufregende Jagd nach dem Ring verwickelt. Brünnhilde reißt am Ende die ganze Welt mit in den Untergang, aber für die Kinder gibt es ein Happy End.

90 Minuten dauerte das turbulente Bühnengeschehen, das Alt und Jung gefangen nahm. Die zwei Welten – hier die normale Welt mit Schulklasse und Lehrer/in, dort die Sagenwelt des Nibelungen- wurden so geschickt und fantasievoll miteinander verknüpft, dass das „Opern“erlebnis pausenlos kurzweilig wurde. Auch wenn der Überblick über die Personen zwischendurch verloren gehen  konnte (Siegmund = Siegfried, Sieglinde = Brünnhilde, die meisten SängerInnen spielten mindestens zwei Rollen), tat das dem Spaß keinen Abbruch.

Der Regisseurin Lotte de Beer, die auch schon die Amsterdamer Aufführung inszenierte und die Textfassung schrieb, gelang es zusammen mit Marouscha Levy, die eindrucksvolle, märchenhafte Kostüme entwarf und damit pointiert die beiden Welten gegenüberstellte, einen sehr gelungenen spielerischen Einstieg in die Themen und Musik Wagners zu finden. Arent-Jan Linde und Anne Lamsveld, überzeugten wie in Amsterdam sehr sympathisch und authentisch als ängstlicher Heinz und temperamentvolle Ute, kindgemäß, ohne albern zu wirken. Ringetje_11Genial war auch die Identifikationsmöglichkeit durch die Schulkinder (Chorinis, Einstudierung Francesco Damiani und Patricia Forbes): vielen Kindern im Publikum merkte man an, wie sie dadurch in das Geschehen hineingesogen wurden.

Sängerisch überzeugten Cornelie Isenbürger, Christiane Linke und Sünne Peters als Rheintöchter und Walküren. Peters beeindruckte zusätzlich als dem Wein zusprechende, schwankende Erda. Sarah Kuffner (Sieglinde, Brünnhilde) und Daniel Pataky (Siegmund, Siegfried) zeigten sich wagner-stimmgewaltig und sehr präsent. Frank Dolphin Wong (Wotan) und Caio Monteiro (Alberich) füllten ihre Rollen schauspielerisch und gesanglich sehr gut aus. Das Orchester unter Leitung von Merijn van Driesten überzeugte durch große und lebendige Klangfülle trotz kleinerer Besetzung. Dass die MusikerInnnen auf der Bühne und nicht im Orchestergraben spielten, war vermutlich auch der Situation geschuldet, dass dieser für Brünnhildes Weltuntergang gebraucht wurde – toll, wie alle tatsächlich in der Tiefe verschwanden- aber die Verbindung Hören und Sehen war dadurch auf der Bühne ganzheitlich perfekt.Ringetje_09 Ein weiteres I-Tüpfelchen dazu ergab sich durch das Mitmachen des Publikums, das im Stehen Heldenposen üben durfte, damit der richtige Held (Klein-Siegfried) herausgesucht werden konnte. Dank der ausgefeilten und sprudelnden Inszenierung konnten die Kinder die Aufführung auch ohne Pause genießen. Am Ende wäre nur noch der Drache zu erwähnen – man hätte mal die Kinder dazu fragen sollen…

Karin Kleyer

Zu den Fotos:    

Ringetje 03: Linde, Lamsvelt, Isenbürger, Monteiro, Peters, Linke

Ringetje 09: vorne: Wong, Kuffner, hinten: Lamsvelt

Ringetje 11: Martin Gerecke, Linde

Copyright: Matthias Stutte