Eine tragische Liebesgeschichte im Hochmoor von Yorkshire

Nach dem gleichnamigen Roman von Emily Bronté hat Tim Tonndorf, geboren 1985 in Offenbach am Main, diese düstere Geschichte in Szene gesetzt. Tim Tonndorf absolvierte nach seinem Abitur ein Freiwilliges Kulturelles Jahr am Theater Strahl in Berlin. 2005 gründete er die Theaterkompanie „Aufgezogen-Ausgezogen“ Von 2007 – 2012 studierte er  Regie an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. 2010 gründete er mit David Czesienski und Robert Hartmann das Regiekollektiv „Prinzip Gonzo“. Tim Tonndorf zeigt mit „Sturmhöhe“ nach „Gelber Mond“ und „Killer Joe“ seine dritte Regiearbeit am Theater Bielefeld.
Und diese dritte Arbeit des begabten Regisseurs ist wirklich ein Erlebnis. Die Mimik und Gestik der Schauspieler, auch wenn sie gerade nicht am eigentlichen Geschehen beteiligt waren und nur im Hintergrund wirkten, war absolut gelungen und ausdrucksstark. Doch eine wahre Superleistung bot Felicia Spielberger, wenn sie als Catherine Earnshaw alias Catherine Linton von Sekunde auf Sekunde ihre Stimmung, ihre Laune und ihren Charakter wechselte. Mal das kleine, verwöhnte Mädchen, welches nur Spaß haben möchte, und in ihrer Naivität überhaupt nicht begreift, was sie da eigentlich anrichtet. Dann das fordernde Biest, welches arglistig, böse und durchtrieben ihren Willen durchsetzen möchte.
Doch nicht nur Catherine oder kurz Cathy ist böse in dem Stück. Als ganz üble Gesellen treffen wir auf ihren leiblichen Bruder Hindley und das Findelkind Heathcliff, das der Vater eines Tages nach „Wuthering Height“, dem Familiensitz der Earnshaws, mitgebracht hatte. Gemeinsam verbringen die drei ihre Kindheit, und zwischen Heathcliff und Cathy entwickelt sich eine Liebesgeschichte.Sturmhoehe_03 Sehr zum Verdruss von Hindley, der für den unerwünschten Zögling nichts übrig hat, diesen schikaniert und entsetzlichen Qualen aussetzt. Catherine, die in ihrer Naivität das böse Spiel ihres Bruders und der Nachbarskinder Linton nicht  durchschaut, steht zwischen den Stühlen und weiß nicht recht, wie sie sich verhalten soll. Auch sie verspottet Heathcliff, doch hin und wieder plagen sie Zweifel. Doch Heathcliff hält aus lauter Liebe alle Demütigungen aus. Erst als die Geliebte, ebenfalls getrieben durch die Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg, den Nachbarn Edgar Linton heiratet, wendet sich das Blatt. Die verwöhnte Cathy glaubt, sie kann Edgar mit seinem Geld und seiner gehobenen Stellung eine Ehefrau sein,  und Heathcliff bliebe dabei ein Teil ihres Lebens, ist er doch schon längst ein Teil ihrer selbst.
Doch eine solche „Dreiecks-Beziehung“ widerstrebt nicht nur dem Ehemann, sondern auch dem alten Gefährten aus Jugendtagen. Heathcliff verlässt „Wuthering Heights“, und kommt erst wieder, als er auf geheimnisvolle Weise zu Reichtum gekommen ist. Er liebt Catherine immer noch und hofft, diese zurückgewinnen zu können. Catherine ihrerseits erwidert seine Gefühle, bekommt jedoch inzwischen ein Kind von ihrem Ehemann. So zieht sie sich zurück und fühlt sich von beiden „ihrer“ Männer im Stich gelassen, da ihr Gatte sich in seine Bücherwelt flüchtet, und Heathcliff zu sehr damit beschäftigt ist, sich an seinem alten Widersacher, Cathys Bruder Hindley, und der Familie Linton zu rächen. Da bei der ganzen Sache auch immer wieder Hindley, das Dienstmädchen Nelly und Isabella Linton ihre Finger im Spiel haben, kann die Geschichte nicht gut ausgehen. Erst nach Cathys Tod begreifen alle, jeder für sich, dass sie durch ihre Bosheit, alles verloren haben.
Emily Brontés Roman „Sturmhöhe“ zählt zu den bedeutendsten literarischen Werken des 19. Jahrhunderts und war zu seiner Zeit ein Skandalerfolg. Bronté erzählt eine berührende und leidenschaftliche Liebesgeschichte und Familiensaga, die fasziniert und zugleich durch ihre mystischen Elemente  verstört.
„Sturmhöhe“ ist noch zu sehen am 03.04., 04.04., 10.04. und am 12.04. im Theater am Markt. Karten gibt es unter Tel. 0521 / 51 54 54 oder ganz einfach „online“ bestellen unter www.theater-bielefeld.de
Angela Antrop