Konzert des Kammerchors „Vocapella“ am 14./15. November in Oerlinghausen und Bielefeld

Ob Träume symbolische Bedeutungen haben, Antworten zu Lebensfragen geben oder gar Schäume sind – das alles erfuhr man im Konzert nicht, aber dass sich ein musikalisches Einlassen auf dieses Thema sowohl für die Singenden als auch für die Zuhörenden lohnte, hat der Abend gezeigt.

Unter der Leitung seines Chorleiters Gottfried Braun, der in der Dunkelheit mit seinem weißen Jackett und zuverlässigem Dirigat als Anker des Chores fungierte, breitete „Vocapella“ dunkle und helle Träume vor dem Publikum aus. Welche Vielfalt geboten wurde – sowohl stilistisch als auch stimmlich- sprach wieder einmal für die Qualität der Aufführungen des Kammerchors.

Sprecherin Gaby Gerland führte mit einer Einleitung in die Dämmerung, passend empfing der Chor das Publikum mit einem Distler-Lied über die Nacht, mit dem er gekonnt das Innehalten und Nachklingen des Tages interpretierte.

In der Nacht angekommen beschwor er düstere Träume herauf, die von Tod und Mord handelten. Bei den Kompositionen von Cornelius, Reger und Distler (Der Traum- Die traurige Krönung- Ich hab die Nacht geträumet) ist dabei besonders die Interpretation der Distler-Ballade hervorzuheben: „Die traurige Krönung“ bestach durch sehr deutliche Artikulation und präsenten Vortrag.

In den folgenden zwei Traumstücken, für die Gerland dankensweise erklärende Einblicke in den englischen und schwedischen Text gab (A dream within a dream, Drömmarna), gelang es dem Chor bei der zeitgenössischen Komposition A dream within a dream besonders überzeugend, die Zerrissenheit und Verzweiflung eines existentiellen Traums zu verdeutlichen: er selbst klang „zerrissen“, indem der Sopran sich abwandte und in eine andere Richtung sang.

Nach so viel Schwere wendete sich der Chor den hellen, den Tag-, Wunsch- und Lebensträumen zu. Dieser Sprung in den Tag schien ihm zunächst schwer zu fallen, ist er ja auch ein sehr großer.

Mit California Dreaming sang er sich allmählich von der Schwere frei. Es folgten weitere „leichte“ und optimistische Kompositionen, Over the rainbow, I have a dream und Mister Sandman, die ansprechend vorgetragen wurden. Die dazu erklingenden versiert gespielten Pianobegleitungen durch Susanne Lakämper und Ernst Volland komplettierten den Hörgenuss.

Ein besonderer Augenblick ergab sich im Konzert, als der Chor auf die aktuellen Ereignisse in Paris einging und vor I have a dream mit dem Publikum zu einer Schweigeminute für die Terroropfer innehielt.

Mit dem Titel-Stück Sweet dreams setzte „Vocapella“ zusammen mit der ausgezeichneten Solistin Zita Dopheide ein abschließendes Highlight und rundete damit das Programm ab.

Vocapella hat zu einem ungewöhnlichen Konzertthema wieder einmal seine Vielseitigkeit gezeigt. Es war ein durchdachtes Konzept, das die Chorstücke durch gutes musikalisches Handwerk, aber auch durch Moderation, Choreografie und Lichtinstallationen zum einem besonderen Erlebnis werden ließ.

Die Aussichten für 2016 sind gut:

Ein abwechslungsreiches Konzert in etwa einem halben Jahr ist sehr wahrscheinlich. Der genaue Termin ist demnächst auf www.vocapella-bielefeld.de zu finden.

Karin Kleyer