Ein „fieses“ Gesellschaftsspiel von FRANCIS VEBER

Der Verleger Pierre Brochant und seine Freunde haben ein zynisches Hobby. Regelmäßig veranstalten sie sogenannte »Dinner für Spinner«, zu denen jeder abwechselnd einen möglichst absonderlichen Freak mitbringt: Die Idioten wissen natürlich nicht, warum sie ausgewählt wurden und der Spaß dabei ist, sie reden zu lassen, prahlt Brochant. Auch heute soll ein solches Treffen stattfinden. Und dieses Mal meint Brochant, das ganz große Los gezogen zu haben. Sein Spinner des Abends ist François Pignon, ein einfacher Angestellter beim Finanzamt und leidenschaftlicher Streichholz-Modell Hobbybastler. Ein absoluter Weltklasse-Obertrottel, der sich stundenlang über das heikle Problem der Tragfähigkeit bei einer Rekonstruktion der Golden Gate Bridge aus dreihundertsechsundvierzigtausendvierhundertzweiund-zwanzig Zündhölzern auslassen kann. Brochant ist siegesgewiss und voller Vorfreude – da ereilt ihn ein Hexenschuss. Als kurz darauf sein Spinner des Abends vor der Tür steht, um ihn zum Dinner abzuholen, ist Brochant ihm hilflos ausgeliefert. Und tatsächlich bringt François Pignon durch einen Amoklauf der Tollpatschigkeit das Leben des Verlegers innerhalb weniger Stunden völlig durcheinander. Er vertreibt Brochants
Ehefrau, bevölkert dessen Wohnung mit ungebetenen Gästen und informiert einen befreundeten Finanzprüfer über die unversteuerten Vermögenswerte des Verlegers – das alles mit den besten Absichten, seinem neuen Freund zu helfen. Inszenierung "Dinner fuer Spinner" am Theater Bielefeld, TAM.Doch am Ende dieser turbulenten Screwball-Komödie stellt sich die Frage, wer der eigentliche Spinner ist. Der Filmregisseur und Drehbuchautor Francis Veber ist ein Großmeister der Komödie. Seine Filmografie liest sich wie eine Liste der besten Komödien aller Zeiten: Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (mit Pierre Richard), Die Filzlaus (mit Lino Ventura und Jacques Brel), Ein Käfig voller Narren, Ein Mann sieht rosa (mit Daniel Auteuil). Viele seiner Filme boten zudem Vorlagen für USamerikanische Versionen, bei denen er zum Teil selbst Regie führte. Dinner für Spinner wurde als Theaterstück 1993 in Paris uraufgeführt; 1997 verfilmte Veber den Stoff für das französische Kino. Der Film wurde sechsfach für den französischen Filmpreis César nominiert. Den »Spinner« spielte damals der unver-gessene Jacques Villeret. 2010 gab es ein amerikanisches Remake mit dem Schauspieler Steve Carell.
INSZENIERUNG Der Regisseur Christian Brey studierte Schauspiel und war von 1997 – 2011 Mitglied des Schauspielensembles am Staatstheater Stuttgart.

Theater am Alten Markt
Die nächsten Vorstellungen
15.05., 26.06.14; weitere Termine in der nächsten Spielzeit

Inszenierung; Christian Brey
Bühne und Kostüme; Elisa Limberg
Dramaturgie; Marcus M. Grube, Mit Niklas Herzberg, Stefan Imholz,  Arne Lenk, Doreen Nixdorf, Guido Wachter, Thomas Wolff

Christel Wiemers