Immer weniger junge Menschen, immer mehr ältere ………

CIMG3032Fast die Hälfte aller Menschen, die sich langsam mit dem Gedanken vertraut machen, dass auch vor ihnen das Älterwerden nicht haltmacht, befürchten, im Alter zum Pflegefall zu werden. 80  Prozent davon wollen selbst mit körperlichen Einschränkungen im Alter selbständig zu Hause leben. Das sind die Ergebnisse der Studie „Themenkompass Älterwerden in Deutschland“, für die das forsa-Institut im August 2013 eintausend in Privathaushalten lebende Personen ab 45 Jahren befragte.Zwar gibt es inzwischen schon eine Vielzahl von Möglichkeiten, im Alter versorgt zu sein. Zunächst wäre da einmal die klassische Methode, die Unterbringung in einem Alters- bzw. Pflegeheim. Doch es gibt dazu sicherlich die eine oder andere Frage und etliche Probleme, die dem Betroffenen im Kopf umher gehen. Kann diese Betreuung, die ja immerhin mit immensen Kosten verbunden ist, tatsächlich die Bedürfnisse eines jeden einzelnen genau nach seinem individuellen Geschmack gewährleisten? Oder bin ich etwa stark eingeschränkt, wenn ich als vollkommen geistig und körperlich agiler Senior oder agile Seniorin mit Demenzkranken oder auch anderweitig versehrten Mitbewohnern einen gemeinsamen Tagesablauf absolvieren muss? Klar, ich kann ja meinem Gesundheitszustand entsprechend „gehen und kommen“, wann ich will, und ich muss nur zu den Mahlzeiten anwesend sein, wenn ich diese denn möchte!!! Bin ich aber nicht mehr so gut auf den Beinen und körperlich oder geistig eingeschränkt, muss ich mich beispielsweise nach den Essenszeiten richten. Ganz egal, ob ich das denn nun möchte, oder auch nicht!!! CIMG3033Es ist also keine freie Zeiteinteilung mehr möglich!!! Und das Pflege- und Betreuungspersonal ist oftmals zeitlich auch sehr eingespannt, dass ich am Ende zu Hause ebenso gut aufgehoben bin!!!Zu überlegen wäre da ebenfalls der Umzug in eine Seniorenwohnanlage. Hier kann ich selbständig in einer Wohnung leben, und für den Notfall ist oftmals ein Pflegestützpunkt eingerichtet, der mir bei Bedarf bei den Einkäufen, der Essenszubereitung und allen anderen Tätigkeiten des täglichen Lebens zur Seite steht. Auch von Senioren-WGs habe ich schon gehört, die von ambulanten Diensten betreut werden, und wo sich die älteren Herrschaften gegenseitig helfen und viel gemeinsam unternehmen.„Viel gemeinsam unternehmen???“, möchte ich das denn überhaupt? Mein Leben lang war ich für mich selbst verantwortlich, konnte frei entscheiden, wohin ich gehe, welche Interessen ich verfolge, und – auch nicht ganz unerheblich –,  was ich esse, und wann ich zu Bett gehe. Mein eigener Lebensrhytmus also, und auf den soll ich nun verzichten oder mich zumindest einschränken??? Nein, ich denke, zu Hause ist es doch am schönsten!!! Zwar können immer wieder Umstände eintreten, die eine Heimbetreuung nötig machen, aber solange es noch geht, bin ich mein eigener Herr!!! Etwa genauso dürfte es im Kopf eines  „Älterwerdenden“ aussehen..

Ja, im Alter zu Hause wohnen. Das sollte doch eigentlich gar kein Problem sein, bei den vielen Hilfsmitteln, die es da schon gibt: Essen auf Rädern, Tastentelefone mit extra großen Tasten, Dusch- bzw. Badehilfen und außerdem kommen ja die ambulanten Pflegedienste bei Bedarf ein-, zwei- oder dreimal täglich ins Haus, deren Kosten ganz oder zum Teil von der Pflegekasse getragen  werden. Und ist der ältere Mensch auch ganz gerne alleine zu Hause, auf das Notfall-Telefon, den SOS-Knopf, sollte er keinesfalls verzichten, denn es kann ja mal schnelle Hilfe von Nöten sein. Soweit scheint das doch alles bestens geregelt zu sein. So heißt es sogar auf der Internetseite des BMFSFJ, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: –— Zuhause im Alter – Wohnen im Alter —— „Wohnen ist ein Grundbedürfnis der Menschen.“ Wohnen heißt, ein Zuhause zu haben und einen Raum für gelebte Beziehungen mit anderen Angehörigen, Freunden und Nachbarn. 93 Prozent der älteren Menschen leben in einer für alle Lebensphasen standardmäßig ausgestatteten Wohnung. Die meisten wollen in der vertrauten Wohnumgebung bleiben – auch wenn sie auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Selbstständiges und selbst bestimmtes Wohnen so lange wie möglich – das ist das Ziel der Projekte und Initiativen des Bundesfamilienministeriums rund um das Thema „Zuhause im Alter – Soziales Wohnen.“  Klingt gut, ist es auch, nur scheitert es noch daran, dass der deutsche Wohnraum eben nicht altersgerecht ist. Schon jetzt fehlen mindestens 2,5 Millionen barrierearme Wohnungen, Tendenz steigend. Auf diese brisante Entwicklung muss die Bundesregierung dringend reagieren, fordern daher die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und der Verband Wohneigentum. Zuschüsse im Rahmen des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ wären ein erster wichtiger Schritt. So preist auch die Internetseite des BMFSFJ genau dieses Programm an: — „Altersgerecht umbauen“ – Hinweise zur Förderung „Für Modernisierungsmaßnahmen zur Beseitigung oder Verringerung von Barrieren in bestehenden Wohnungen vergibt die KfW-Bankengruppe Darlehen im Rahmen des Programms „Altersgerecht umbauen“. Hiermit können der leichtere Zugang zum Haus, der Einbau eines Aufzugs oder Treppenlifts oder notwendige Umbauten in Küche und Bad realisiert werden: Die Kreditbank für Wiederaufbau hält entsprechende Förderbausteine und weiterführende Informationen bereit.“ Mit dem KfW-Programm „Altersgerecht umbauen“ steht zwar ein sinnvolles Förderinstrument zur Verfügung, nur ist es kreditbasiert und damit wenig für Senioren geeignet, da sich Menschen im Alter nicht mehr mit Schulden belasten wollen oder überhaupt erst einmal Schwierigkeiten haben, so ein Darlehen zu erhalten. „Auch ist für eine Reihe sinnvoller Einzelmaßnamen ein Kredit überdimensioniert, aber ein Zuschuss eine gute Motivation zu handeln“, so Hans Rauch, Präsident des Verbands Wohneigentum e. V.. Für die dringendsten Umbauten ist also ein Zuschussprogramm notwendig. Diesen Zuschuss gab es kurzfristig im Rahmen des KfW-Förderprogramms, doch wurde er ab 2012 gestrichen – rund anderthalb Jahre nach seiner Einführung im Mai 2011. Zu wenig Zeit, um einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu werden.

Wie werden die Alten wohnen?

Politiker aller Fraktionen weisen gern auf den demografischen Wandel hin und bekräftigen, dass alles getan werden muss, damit ältere Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben können. Umso erstaunlicher, dass die Zuschussförderung ab dem Haushalt 2012 dem Rotstift zum Opfer fiel. „Die neue Bundesregierung hat nun die Chance, dies zu korrigieren, bevor noch mehr Zeit vertan wird“, mahnt die BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V.)-Vorsitzende und ehemalige Bundesfamilienministerin Prof. Dr. Ursula Lehr. Denn bereits 2030 wird knapp ein Drittel der Deutschen älter als 65 Jahre sein, so die 2011 im Auftrag des Bundesbauministeriums durchgeführte Studie „Wohnen im Alter“. Unser Wohnraum hingegen kommt dieser Entwicklung nicht hinterher: bisher leben deutlich unter zehn Prozent aller Senioren in einigermaßen barrierefreien Haushalten. Die demografische Entwicklung macht eine Zuschuss-Variante des Förderprogramms „Altersgerecht umbauen“ nach Ansicht der BAGSO und des Verbandes Wohneigentum e.V. zwingend notwendig. „Eine Neuauflage – wie sie im Koalisationsvertrag in Aussicht gestellt wird – ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung dringend geboten“, so Prof. Dr. Ursula Lehr von der BAGSO. Nur sollte der Zuschuss dieses Mal langfristig verfügbar sein und durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht werden. Hans Rauch, Verband Wohneigentum e. V., fordert: „Eine Umgestaltung des Wohnraums muss gut durchdacht sein. Dafür braucht es planungssichere Finanz- und Fördermittel.“ Beide Verbände erklären dementsprechend sich bereit, die Ausgestaltung und anschließende Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen und lassen die Forderung noch einmal laut werden: „Wohnen im Alter“ muss wieder auf die Tagesordnung der Bundesregierung!!!!

Kontakte:
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. (BAGSO)
Bonngasse 10,
53111 Bonn
Tel.: 0228 / 24 99 93 18
Fax: 0228 / 24 99 93 20
E-Mail: lenz@bagso.de
www.bagso.de

Verband Wohneigentum e. V.
Oberer Lindweg 2
53129 Bonn
Tel.: 0228 / 60 46 8-13
Fax: 0228 / 60 46 8-25
E-Mail: khalil@verband-wohneigentum.de
www.verband-wohneigentum.de

Angela Antrop