Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Uni Bielefeld

Gute Zusammenarbeit der Uni mit Theater und Philharmonie

Am 12. Oktober dieses Jahres hat das „Theater am Alten Markt“ das Stück „SPIN“ zum vorerst letzten Mal aufgeführt. Die Premiere hatte bereits am 12. September stattgefunden, die Vorbereitungen dazu haben aber einen wesentlich längeren Zeitraum in Anspruch genommen. Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Universität Bielefeld hatte die Uni sich nämlich überlegt, wie man dieses denkwürdige Ereignis auch standesgemäß begehen könnte. Dabei konnten schon viele spannende Ideen in die Tat umgesetzt werden.

Unter anderem letztendlich auch das Theaterstück „SPIN“. Die Universität Bielefeld legt seit jeher viel Wert auf Interdisziplinärität. Sie nennt sich selbst die Universität der kurzen Wege. Ja, interdisziplinäres Arbeiten ist sogar das erklärte Ziel damals gewesen. Deshalb sind auch alle Fakultäten beim Bau dieser neuen Bielefelder Reform-Universität durch die zentrale Halle räumlich miteinander verbunden worden. Heute sind natürlich noch andere Gebäude hinzugekommen.

Aber, wen verwundert es da, dass auch viele Projekte der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen von außerhalb entstehen. Das Konzert der Bielefelder Philharmoniker in der zentralen Uni-Halle ist heute zum Beispiel fester Bestandteil des Wintersemesterstarts.

Die Projekte zum 50-jährigen Bestehen der Universität Bielefeld bilden einen neuen Höhepunkt in der Kooperation. Das sagen auf jeden Fall Prorektorin Dr. Angelika Epple und Intendant Michael Heicks. Laut Aussage von Michael Heicks würden Uni und Theater sehr voneinander profitieren.

Zitat Michael Heicks:
„Durch die Gründung und weitere Entwicklung der Universität hat sich die Stadtgesellschaft intellektualisiert. Michael HeiksDas hat bis heute Einfluss auf unsere Publikumsstruktur. Außerdem befruchten sich beide Institutionen gegenseitig.“

Nachdem im Mai bereits das Werk der Neuen Musik „De l´art d´induire en erreur“ oder, um auch den deutschen Titel zu nennen, „Die Kunst der Irreführung“ von Fabién Levy beim Festlichen Jubiläumsabend in der Rudolf-Oetker-Halle von den Philharmonikern aufgeführt worden war, folgte nun im September die Premiere von „SPIN“.

Zusamenarbeit mit anderen Institutionen
Aber von der Planung bis zur Premiere des Stückes „SPIN“ ist es ein langer Weg gewesen. Zunächst einmal musste eine Idee her. Die Uni, bzw. das Zentrum für Ästhetik“ an der Bielefelder Uni, hatte beim Theater Bielefeld das Stück in Auftrag gegeben und war auch für die Kosten zuständig. Doch von was sollte das Stück eigentlich handeln? Fragen über Fragen haben sich aufgeworfen. Um schnell eine Lösung zu finden, hat sich das Theater dann an den in Hamburg lebenden Autor David Gieselmann gewandt. David Gieselmann ist dem Theater Bielefeld schon seit mehreren Jahren verbunden. Seine Stücke „Falscher Hase (2011), „Die Oppelts haben ihr Haus verkauft“ (2014) und auch die vierteilige Theaterserie „Sissy Murnau“ (2016) wurden in Bielefeld uraufgeführt.

Warum ausgerechnet "SPIN"

Inzenierung „Spin“ von David Gieselmann am Theater Bielefeld, Theater am Alten Markt, TAM. Premiere am 12.09.2019. Regie: Christian Schlüter, Buehne und Kostueme: Jürgen Höth, Video: Sascha Vredenburg, Dramaturgie: Katrin Enders, Darsteller: Doreen Nixdorf, Thomas Wehling, Leona Grundig, Carmen Witt, Brit Dehler, Simon Heinle, Lukas Graser

Zunächst war aber auch David Gieselmann mit sich uneins gewesen. Eigentlich hatte er etwas ganz anderes auf die Bühne bringen wollen, was allen anderen Beteiligten auch durchaus gefallen hätte. Aber David Gieselmann selbst hatte sich mit seiner ersten Idee zum Stück nicht so wirklich anfreunden können. Kurzerhand hat er daraufhin alles wieder über Board geworfen und hat noch einmal von vorne angefangen.

Inzenierung „Spin“ von David Gieselmann am Theater Bielefeld, Theater am Alten Markt, TAM. Premiere am 12.09.2019. Regie: Christian Schlüter, Buehne und Kostueme: Jürgen Höth, Video: Sascha Vredenburg, Dramaturgie: Katrin Enders, Darsteller: Doreen Nixdorf, Thomas Wehling, Leona Grundig, Carmen Witt, Brit Dehler, Simon Heinle, Lukas Graser

Das hatte zur Folge, dass „SPIN“ auf den Plan gekommen ist. Das Theaterstück „SPIN“, in Auftrag gegeben von der Universität Bielefeld und inszeniert vom Theater Bielefeld, handelt von einer jungen Androidin, die den Namen „SPIN“ trägt. Spin ist ein englisches Wort und bedeutet Drehung bzw. Drall und ist in der Teilchenphysik der Eigendrehimpuls von Teilchen. Bei den fundamentalen Teilchen ist er, wie die Masse, eine unveränderliche innere Teilcheneigenschaft. Das hört sich kompliziert an, aber Künstliche Intelligenz ist ja nun mal ein Thema, mit dem wir uns immer mehr auseinandersetzen müssen, und so jetzt auch im Fall der Androidin „SPIN“. Das Theater Bielefeld beschreibt die Figur und die Situation der Androidin so:

"Wer ist SPIN eigentlich?"

„Spin ist das Werk einer betrügerischen Biochemikerin unter Verwendung veruntreuter EU-Gelder. Da sie, wenngleich illegal entstanden, nun einmal da ist, löst sie eine Menge Begehrlichkeiten aus. Der Geheimdienst ist ebenso hinter Spin her, wie der Kunstfleisch- und der Kunstmarkt; die „Church of Spin“ erhebt sie zur spirituellen Leitfigur, die AktivistInnenbewegung „Private-I-See-You“ fordert ihre sofortige Abschaltung. Ihrer Schöpferin Regula wird sie unversehens zur Tochter, was Regulas Vater auf den Plan ruft und damit das reinste Familiendrama in Gang setzt. Spin weiß alles und fühlt nichts.“

Nun ja, das hört sich erst einmal nach einer zwar spannenden, aber auch ziemlich trockenen Geschichte an. David Gieselmann verrät im Vorfeld auch nur so viel:

Giesselmann Autor

David Gieselmann

Der Autor ist stets bemüht, irgendetwas zu „spiegeln“, etwas von zwei Seiten zu zeigen. Und genau darüber sollen sich die Zuschauer und Zuschauerinnen ja Gedanken machen. Das hört sich einfach an, aber wie setzt man die Idee dann in die Tat um? Da kann es schon zu einigen Differenzen kommen. Aber da man David Gieselmann sehr gut kennt, und alle Beteiligten den gleichen Humor besitzen, haben dann alle Beteiligten sämtliche Hindernisse mit Bravour meistern können.

Die Premiere hat es dann bewiesen, dass Komödie, Humor und Wissenschaft prima zusammenpassen. Die Zuschauer zeigten sich amüsiert, applaudierten überschwänglich, und sind sicherlich mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen. Ein voller Erfolg für die Uni und das Theater Bielefeld! Leider ist das Stück „SPIN“ von David Gieselmann am 12. Oktober zum vorerst letzten Mal aufgeführt worden. Aber alle, die es noch nicht gesehen haben, dürfen nicht traurig sein.

Christian Schlüter

Für Dezember stehen weitere „SPIN“-Aufführungen auf dem Theaterplan. Und, wenn danach immer noch Interesse besteht, könne man noch über eine weitere Fortsetzung nachdenken, verrät Christian Schlüter, Regisseur des Stückes und seit der Spielzeit 2007/2008 Oberspielleiter des Schauspiels am Theater Bielefeld. Wir wünschen Hals- und Beinbruch.

 

Angela Antrop