Fast 20 Jahre arbeite ich nun mit der Schreibwerkstatt, d.h. der Studierenden ab 50, an der Universität Bielefeld. In diesen Jahren haben wir die vierte Anthologie mit den in dieser Werkstatt entstandenen Texten herausgegeben.

Wenn jemand erst im Alter mit dem Schreiben beginnt, oder es dann wieder aufgreift, vermutet man, dass die eigene Biographie den Stoff liefert für die Texte. Doch das war in all diesen Jahren sehr selten der Fall. Viele möchten Wege finden, wie sie etwas, was sich im Kopf festgehakt hat, von dem man nicht loskommt, von dem man spürt, dass es eine Bedeutung hat, in einen Text übertragen, der auch das Interesse eines anderen weckt. Oder sie versuchen Anregungen aus anderen Bereichen: das Besondere einer Landschaft, eine die Gefühle anregende Musik, ein zum Nachdenken verführendes Bild, die Begegnung mit einem Menschen in einen Text zu übertragen.

Wir waren auf der Suche nach den Möglichkeiten, die Sprache als Mittel nicht nur der einfachen Verständigung zu benutzen, sondern mit Hilfe all der Formen, die Sprache bietet, mit dem Klang, dem Rhythmus, der Farbigkeit oder der Bildhaftigkeit zu erfassen, was uns bewegt, beeindruckt hat, nicht im Vergessen verschwinden soll, und die Fragen, die geblieben sind, beantworten kann.

Als Anregungen zum Schreiben in der Werkstatt dienten uns Bilder, z.B. von van Gogh, Dürer, Munch oder Manet, Musiken von Grieg, Zimmermann oder Satie, aber auch Zeitungsartikel. Daneben entstanden viele Texte zu Hause oder auf den Reisen. Denn auch Reisebeschreibungen können weit mehr sein als nur ein Fremdenführer. In diesem Herbst ist nun die letzte Anthologie erschienen und für die nächste sind schon die neuen Texte auf dem Tisch.

Matthias Bronisch

Christel Wiemers