Der „Nana“-Workshop

Nana 04Ganz zufällig las ich Anfang Dezember 2012 beim Durchblättern der Zeitschrift „Landlust“ ein kleines buntes Inserat „ Nana Wochenende in Osnabrück“! Wie elektrisiert hielt ich im Lesen inne:  das war es, was schon lange in meinen Gedanken herum geisterte! Eine Nana!  Da ich als Lehrerin im Kunstunterricht das Thema „Nicki de St.Phalle“ bereits intensiv bearbeitet hatte, lag mir viel daran, selbst „Hand anzulegen“. Bei einem freundlichen Telefonat wurden Termin, Preis und Utensilien vereinbart. Anfang März 2013 fuhr ich in Hochstimmung nach Osnabrück und fand mich in einer kleinen Gruppe von sechs Frauen wieder. Birgit Schmidt, die diese Workshops organisiert, stellte das „Malzimmer“ Osnabrück zur Verfügung, ein Raum, der schon viele Aktivitäten gesehen hat, wie man in den Auslagen sehen konnte. Nun ging es in „medias res“: Jede Teilnehmerin sollte eine Vorstellung von Form und Größe der Figur haben, die sie herstellen wollte. Ich wollte eine Figur machen, die eine befreite, tanzende Bewegung ausdrücken sollte und etwa einen Meter hoch sein sollte. Es gab Hasendraht, der in breite Streifen geschnitten wurde. Sie wurden zu „Körperteilen“ gebogen und durch Verdrahten zusammengefügt.

Vikoria Döpping verdrahtet
Vikoria Döpping verdrahtet
Nana 07
Ausgestopft!

Eine langwierige und Finger strapazierende Arbeit, die den ersten Tag vollständig ausfüllte. Abends war die ganze Gruppe erschöpft, aber euphorisch. Der nächste Tag – alle waren früh vor Ort – ging es darum die Drahtform zu füllen, um ihr Stabilität und feste Form zu geben. Ich hatte eine große Kiste mit Zeitungspapier mitgebracht – sie war klein im Verhältnis zu der der anderen Frauen. Sie hatten wohl schon mehr Erfahrung! Es war erstaunlich, wie viel Papier in eine solche Figur hineingestopft werden kann. Und gestopft wurde mit allen Kräften, die man hatte. Die, jetzt stabile, Figur wurde nun an einem starken Holzstock (ein dicker Besenstiel) getackert. Bei einigen Figuren bildete er das „Rückgrat“, bei anderen wurde ein „Bein“ so zum Standbein. Nun konnte die Figur schon „stehen“, da ein kleiner Sonnenschirmständer Halt gab. Wir alle waren zufrieden mit unseren Ergebnissen. In der nahegelegenen Pizzeria haben wir uns eine Stunde Pause gegönnt, waren aber alle hoch motiviert, schnell weiter zu machen.

Ulrike Niemeyer sichert den Torso gegen Feuchtigkeit
Ulrike Niemeyer sichert den Torso gegen Feuchtigkeit

Nun musste die “Nana” – wir konnten sie jetzt schon so nennen – gegen jedes Eindringen von Feuchtigkeit abgedichtet werden. Riesige Folienstücke wurden nun so um die Figur gewickelt, dass kein Stückchen Hasendraht mehr zu erfühlen war. Nun begann das Bekleben der Nana in abwechselnden Lagen von Zeitungspapier, Packpapier und Pergamentpapier. Alles musste in ca. 10 x 20 cm Stücke gerissen und  mit Kleister auf die Nana aufgebracht werden. Insgesamt sollten 14 Lagen verarbeitet werden. Da die jeweiligen Lagen mit unterschiedlichem Papier aufgeklebt wurden, kam es zu keiner Verunsicherung, welche Lage gerade bearbeitet wurde. Natürlich konnten wir an diesem Wochenende nicht fertig werden, dazu war das Projekt zu groß. Mit einer Anleitung zur Weiterarbeit packten wir am Sonntag spät abends unsere Sachen und verließen mit Gruppenfoto das „Malzimmer“in Osnabrück .

Nana - Frauenpower
Nana – Frauenpowe: v.l. Ulrike Niemeyer, Thea Jörgens, Vikroria Döpping, IreneKuhn-Denis ,Christel Wiemers, Carola Dammann, Birgit Schmidt

Für die weitere Arbeit musste meine „Nana“ in den Keller, da ja noch mindestens 9 Schichten mit Kleister aufgebracht werden mussten. Das war eine Arbeit für Wochen, da ich die einzelnen Schichten immer austrocknen ließ. In meiner Vorstellung malte ich sie schon mehrere Male an, verwarf Ideen und hatte neue. Es folgten der Anstrich mit weißer Wandfarbe und wieder eine Trocknungszeit. Nun waren schon viele Monate vergangen, und „meine Nana“ war in die obere Etage in ein helles Zimmer „gewandert“. Ich hatte sie immer im Blick – weiß und unfertig. Viele Entwürfe für die Bemalung wanderten in den Papierkorb, einige in eine Mappe, einer an die Steckwand. Erst nach dem Sommer konnte ich mich für einen Entwurf entscheiden. Nana Entwicklung 001Erst kurz vor Weihnachten übertrug ich die Zeichnung auf die weiße „Nana“. Es wurde Februar bis ich die Acrylfarben herausholte und mich dann für die typischen Nanafarben entschied: blau, rot, gelb, grün, lila, orange. Eine farbenfrohe Nana in befreiter Bewegung! Sie wurde noch mit vier Schichten Autolack versiegelt und steht jetzt in einem großen Terracotta-Topf neben einer Mittelmeerpalme. Mir gefällt die Kombination!

Nana im Topf!
Nana im Topf!

Christel Wiemers