Warum wirkt ein Medikament bei manchen Menschen nicht oder nur schlecht?

Noch sind genetische Profile und eine Genanalyse in der Apotheke kein Thema. Neue Werkzeuge der pharmkogenetischen Diagnostik können die Verträglichkeit von Wirkstoffen ermitteln. Eine maßgeschneiderte Therapie ist so möglich.

Kosten/Nutzen der Genanalyse

Viele Menschen müssen ein oder mehrere Medikamente nehmen. Mit enormem Forschungsaufwand ist die pharmazeutischen Industrie bemüht, gute Arzneimittel zu entwickeln was eine hervorragende Leistung ist. Ein neues Arzneimittel gegen die Krebserkrankung kann bis 100 Millionen Euro kosten, bis es in den Markt kommt.

Die neuen Arzneimittel werden immer spezifischer in der Anwendung. Ein Medikament muss immer genauer, sowohl in der Zeit wie auch in der Dosierung, eingenommen werden. Die Darreichungsform von Medikamenten ist unterschiedlich Es gibt Tabletten, Dragees, flüssige und salbenförmige Herstellungen, die im Körper unterschiedlich aufgenommen werden.

Wirkstoffe werden gebraucht und wirken an unterschiedlichen Stellen

Sollen die Wirkstoffe sofort, das heißt sowohl in Menge als auch in der Art, freigesetzt werden, oder es soll ein langsamer Wirkstoffaustritt erfolgen. Dann sprechen wir von Depotarzneimitteln. Mit diesen Mitteln wird ein möglichst gleicher Medikamentenspiegel im Blutserum erreicht. Sie sind nicht für eine akute Erkrankung geeignet, haben aber in der Langzeitversorgung einen hohen Stellenwert.

Damit nun diese Arzneistoffe an den Wirkungsort kommen und dort auch die Wirkung erzielen können, die für dieses Medikament gedacht ist, benötigt der Körper Enzyme. Diese Stoffe verändern das Wirkmolekül so, dass es entweder transportiert werden kann, oder wie ein Schlüssel ins Schlüsselloch an den kranken Teil des Körpers andocken kann. So gibt es Arzneistoffe, die wie ein Generalschlüssel an viele Stellen andocken aber auch welche, die wie ein Spezialschlüssel genau für die eine Krankheit geeignet sind.

Erbinformationen und Wirkung von Medikamenten

Jede Zelle ist wie ein großer Computer. Jeder Mensch hat ca 30 Billionen Zellen. Jede Zelle hat die gesamte Erbinformation des Menschen. Es gibt kein Lebewesen mit gleicher Erbinformation. Dieses Verschiedensein hat zur Folge, dass die Menschen unterschiedlich auf Medikamente reagieren. Die Einen erleben eine gute Wirksamkeit mit ihrem Medikament, die Anderen mit dem gleichen Medikament eine schlechte mit Nebenwirkungen oder sogar keine Wirksamkeit. Das liegt an den Erbinformation, ob ein benötigtes Gen zur Verfügung steht. Wie ein Medikament wirkt, dazu werden die Informationen mehrerer Gene benötigt. Die moderne Pharmazie hat nun Möglichkeiten gefunden, diese Genstruktur für jeden Menschen zu analysieren, um passende Wirkstoffe zu finden.

Der Speicheltest

Ein einfacher Speicheltest ist notwendig und der Apotheker kann eine generelle Aussage machen, ob ein Medikament zu einem  Problemmedikament für diese Person zählt, oder nicht. Das zu wissen ist für eine gute medikamentöse Behandlung sehr wichtig. Da aber nicht nur die qualitative, sondern auch die quantitative Analyse sehr wichtig ist, ist unter Umständen noch eine differenzierte Untersuchung notwendig. Diese kann mit der einmal abgegebenen Speichelprobe untersucht werden, wird aber nur bei einer Auffälligkeit abgefragt.

Der Laie kann nicht verstehen, dass er mit guten, teuren Medikamenten behandelt wird, die bei ihm entweder keine oder eine schlechte Wirkung haben.

Viele Menschen nehmen zu viele und auch für sie unwirksame Arzneimittel. Die moderne Pharmazie bietet die Möglichkeit der Überprüfung. Das Ergebnis kann eine Empfehlung zu einem anderen Arzneistoff und dessen Dosierung sein. Die untersuchten Fälle machen nachdenklich. Vielen Menschen könnte mit wenig Geld viel geholfen werden. Was heißt das nun? Der dazu ausgebildete und berechtigte Apotheker kann durch einen einfachen Speicheltest feststellen lassen, wie ihre genetische Voraussetzung für die Wirksamkeit eines Arzneistoffes ist.

Codekarte für den Kunden

Nach einer kurzen, aber wichtigen Erklärung dieses Testes wird dazu aus dem Mund eine Speichelprobe entnommen und zur Auswertung in ein Labor geschickt. Nach ca 10 Tage steht das Ergebnis bereit. Der Kunde bekommt eine Karte mit einem kryptischen Code. Nur mit dieser Karte kann der Apotheker dann die Daten der Kunden sehen und ihnen zu den Medikamenten eine erste Aussage machen. Ist ein Arzneistoff dabei, der problematisch ist, kann der Apotheker dazu vertiefend nachforschen.

Das Ergebnis wird dann besprochen und wenn gewünscht, dem behandelnden Arzt zur weiteren Behandlung mitgeteilt. Diese pharmazeutische Leistung ist eine der hervorragensten Errungenschaften in den letzten Jahren. Man kann heute im neurologischen Bereich schon zu 95 % der Arzneistoffe eine Aussage machen.

Das Internet gibt unter www.stratipharm.de weitere Informationen. Dort ist auch eine Apothekensuche zu finden. Man kann entweder über eine Einzeldiagnose oder eine Flatrate, bei der man sein ganzes Leben seine Medikamente testen lassen kann, diese Leistung abfragen.

Dietmar Müller