Wurzel des Rechtswesen in Rußland:

Nach der Emanzipation der Bauern in Russland gab ihnen die Regierung eine wirtschaftliche Selbstverwaltung.   Die Bauern waren  dadurch für viele unerwartet politisch reif.  Das das eigene Gericht zeigte, wo bis zu gewissen Grenzen die von den Bauern unter sich gewählten Richter Streite lösen und auch kriminelle Vergehen bestrafen dürfen. Und gerade hier hat das Volk das menschliche Prinzip gefunden, um geringere Schuld schwer zu bestrafen und schwerere gering oder gar nicht. Der Bauernausdruck dafür ist: „ Je nach dem Menschen.“ Es wurde kein steifes Gesetz gebildet (wie z.B. im römischen Recht – besonders JUS STRICTUM!), sondern eine äußerst biegsame und freiheitliche Form, die nicht durch das Äußere, JEDOCH ausschließlich durch das INNERE bestimmt wird.


Das römische Recht, das mich durch die feine, bewusste, hochraffinierte Konstruktion bezauberte, das mich als eine viel zu kalte, viel zu vernünftige, unbiegsame Logik nicht befriedigen konnte, die Geschichte des russischen Rechtes und das Bauernrecht, das als Gegensatz zum römischen Recht mich als Befreiung und glückliche, fast ideale Lösung des fundamentalen Gesetzes in große Bewunderung versetzte und meine tiefe Liebe gewann.


Dieses Bauernrecht ist christlich und soll dem heidnischen römischen Recht entgegengestellt werden. Die innere Qualifikation kann bei kühner Logik so erklärt werden: diese Handlung ist bei diesem Menschen kein Verbrechen, wenn sie bei anderen Menschen im allgemeinen für ein Verbrechen angesehen wird. Also: in diesem Falle ist ein Verbrechen kein Verbrechen. Und weiter: absolutes Verbrechen existiert nicht. (Welcher Gegensatz zu null poena sine lege!) Noch weiter: nicht die Tat (Reales), sondern ihre Wurzel (Geistiges) bildet Böses (und Gutes).

Roland Lukner
em.Prof. Universität Nashville