Der erste Tag oder Einstein ist tot…

Heute (9.10.2013) ist mein erster Tag in der Universität. Ich bin 59 Jahre alt und habe mich für das Programm  „Studieren ab 50“ bei der Uni Bielefeld eingeschrieben. Mit gemischten Gefühlen betrete ich die riesige Halle der Universität. Was erwartet mich? Werde ich in meinem Alter auffallen zwischen all den jungen Leuten, oder werden sie mich vielleicht sogar belächeln?

Monika Behnke

Monika Behnke

In der großen Halle der Universität herrscht ein geschäftiges Treiben. Alle sind unterwegs zu ihren Vorlesungen oder arbeiten am Rande des Getümmels  ganz selbstvergessen an ihren  PC´ s – vielleicht rufen sie aber auch nur ihre Facebook-Seite auf?  Erstaunt und erleichtert registriere ich, dass es eine ganze Menge „ältere Semester “ zwischen den jungen Leuten gibt. Sie fallen gar nicht auf und werden auch von den anderen Studierenden nicht besonders zur Kenntnis genommen.In der Uni – Halle muss ich mich erst mal orientieren. Ich suche meinen Hörsaal, wo heute die Einführungsveran- staltung stattfinden soll.  Das ist aber gar nicht so schwer, denn die älteren  Studierenden scheinen alle in eine Richtung zu strömen, und dort finde ich auch meinen Hörsaal. Die seitlichen Treppen des Hörsaals hinab suche ich mir einen Platz etwas weiter unten, damit ich gut sehen kann. Viele meiner Mit-Studierenden  ziehen es allerdings vor,  etwas weiter oben zu sitzen, die unteren Plätze bleiben fast bis zu  Beginn der Veranstaltung leer. Das war früher in der Schule auch schon so! Die Plätze sind mit Klapppulten versehen, so dass ich meine Utensilien dort ablegen kann. Nachdem ich mein Pult heruntergeklappt habe, muss ich lächeln. Auf der Holzplatte hat sich ein Student/in  mit den folgenden Worten verewigt:

Einstein ist tot, Newton ist tot und mir ist auch schon ganz übel…

Das  erinnert mich wiederum  an meine Schulzeit! Du meine Güte, wie lange ist das jetzt schon her! Zu der Zeit habe ich auch Sprüche in den Schultisch geritzt, zugegeben, sie waren nicht ganz so anspruchsvoll.  Aber manche Dinge ändern sich eben nie…

Ich bin beeindruckt von der großen Anzahl der „Studierenden über 50“, die sich heute hier eingefunden haben. Später erfahre ich, dass über 600 Studenten über 50 Jahre an der Uni Bielefeld studieren, und dass es dieses Programm schon seit mehr als 20 Jahren gibt.

Das Angebot für uns Seniorstudienden ist riesengroß. Neben den Spezialveranstaltungen können wir an sehr vielen Vorlesungen mit den anderen Studierenden gemeinsam teilnehmen. Viele von uns haben ein schlechtes Gewissen, weil wir ja vielleicht den jungen Leuten, die hier ihr Studium absolvieren, wertvolle Plätze wegnehmen. Außerdem kommen in diesem Jahr die doppelten Abiturjahrgänge an die Uni.  Die Leiterin des Programms, Frau Dr. Bade-Becker, berichtet jedoch, dass  sich die Universität seit langem auf diese Situation vorbereitet hat. Es stehen ausreichend Plätze für alle zur Verfügung. Sie ermutigt uns, an allen Veranstaltungen teilzunehmen, die uns interessieren. Wenn es dann wirklich mal eng wird, ist es selbstver-ständlich, dass wir die Plätze den Jüngeren zur Verfügung stellen. Ich glaube, da sind sich alle einig. Die erste Vorlesung von Herrn Dr. Büschenfeld aus der Fakultät der Geschichtswissenschaft ist sehr interessant. Es geht um das 800- jährige Jubiläum der Stadt Bielefeld im nächsten Jahr, und ich bin überrascht, wie aktuell Geschichte sein kann…

Schneller als gedacht ist die Zeit herum, und im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung findet noch eine Infobörse statt, wo wir uns über die einzelnen Arbeitsgemeinschaften infor-mieren können. Es ist gar nicht so einfach, seinen Stundenplan zusammenzustellen, denn es gibt so viele Dinge, die mich interessieren. Ich muss mich entscheiden, weil einige Arbeitsgemeinschaften oder Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden. Schließlich steht mein Stundenplan und unter anderem habe ich mich entschieden, bei dem Internet Blog  „ kurz-geschrieben.de“ mitzu-arbeiten, weil ich es faszinierend finde, bei dem Aufbau eines neuen Mediums mitzuwirken.

Mit diesem kleinen persönlichen Eindruck meiner ersten Schritte in der Universität möchte ich mich auf diesem Blog vorstellen. Was waren eure Eindrücke?

Monika Behnke