Magdeburg – ein Zentrum des „Heiligen Römischen Reiches“

images 2 (1)Der Gründer des Deutschen Reiches war Heinrich I., von Sachsen. Seine Wahl zum ersten deutschen König entsprach dem Einheitswillen der ostfränkischen Stämme und ihrer Herzöge. Vor dem versammelten Volk der Franken und Sachsen wurde Herzog Heinrich im Mai 919 zum König ausgerufen. Er selbst befand sich zu der Zeit bei einer Jagdhütte und war mit Vogelfang beschäftigt, als ein Bote ihm diese Nachricht überbrachte. Der Ruhm seiner Macht und Herrlichkeit drang als deutscher König weithin zu allen Völkern und Königen. Am Ende seiner sechzehnjährigen Regierungszeit konnte er zur Kenntnis nehmen, dass er nicht nur der erste König des Deutschen Reiches gewesen war, sondern bewundert wurde, als „der Erste unter den Königen [des ganzheitlichen] Europas“. Was diesen König besonders profiliert, ist seine Entschiedenheit, seine Tatkraft, von der die Deutschen häufig zu viel besitzen und die sie noch häufiger immer dann vergessen, wenn sie besonders darauf angewiesen sind. images  2(1)Magdeburg ist die Schwesterstadt Nashvilles, Tennessee. Jene nennt sich Otto-Stadt nach Otto I., dem Großen, Sohn Heinrichs I. Seinen Beinamen erhielt er nach seinem Sieg von welthistorischem Rang am Lechfeld bei Augsburg 955 über die Ungarn. Er stärkte den inneren Zusammenhalt des Staates durch eine enge Zusammenarbeit und Verbindung mit der Kirche mittels der Investitur, dem Recht der Bischofseinsetzung. Diese Reichskirchenorganisation prägte lange Jahrhunderte die innere Struktur des staatlichen Verbandes. Am 2. Februar 962 wurde Otto I. in Rom zum Kaiser gekrönt. Mit der Kaiserkrönung hatte er die Rechtsnachfolge des Imperiums Karls des Großen angetreten. Mit der Kaiserwürde wurde ihm auch die Hegemonie über das Patrimonium Petri zuteil, die Schutzherrschaft über die Kirche. Es war ihm in seiner Regentschaft gelungen, entsprechend dem Einheitswillen der Franken und Sachen, deren gebrechlich lockeren Verband zu einer stabilen Staatsschöpfung umzugestalten. Otto III. trat 994 vierzehnjährig die Regierung an und zwei Jahre später wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt. Rom wurde zur Residenz des Kaisers. Seine Erzieher bat er, sie sollten alles sächsisch Rohe in ihm ausrotten, und stattdessen alles griechisch Feine in ihm entwickeln. Seine Mutter Theophanu, die auf Vermittlung Otto I. seinen Sohn Otto II. geheiratet hatte, war eine Nichte des byzantinischen Kaisers. Otto I. versprach sich davon einen Ausgleich mit Byzanz, das mit Rom um die Nachfolge des Römischen Imperiums der Antike rivalisierte. Auch daran ist eindeutig zu erkennen, dass es zu der Zeit noch ein einiges Europa gab, dass erst 1054 durch das große Schisma in zwei Europas gespalten wurde, Ost- und Westeuropa. Mit der Zeit wurde diese Tatsache in Westeuropa total verdrängt, das sich danach für das einzige Europa hielt. Otto III. entwickelte den von seinem Vater, Otto II., aufgegriffenen Gedanken von der Renovatio imperii Romanorum weiter, und bemühte sich derjenige Herrscher zu werden, in dem sich die Fortdauer des christlich-römischen Weltreiches leibhaft erkennen ließ. Seine Bemühungen waren getragen von dem Gedanken eines christlichen Universalreiches, zu dessen Gliedern Deutschland und Italien genauso unterschiedslos gehörten, wie es keinen Unterschied geben sollte zwischen geistlicher und weltlicher Macht.

Roland Lugner