Wir halten es heute für selbstverständlich, dass öffentliche Projekte vor der endgültigen Entscheidung kommuniziert, mit den Beteiligten diskutiert und manchmal durch eine Bürgerbefragung abgesichert werden. „Partizipation“ als wesentliches Element politischer Willensbildung in einer Demokratie ist ein noch relativ junges Element in politischen Entscheidungsprozessen. Dabei haben Bürgerinnen und Bürger, blickt man in die Geschichte der Gemeinwesen zurück, sich immer für die Belange ihrer Stadt interessiert, sich Gehör zu verschaffen versucht, haben eingegriffen und Partei bezogen, sich mit Stiftungen engagiert oder Aufgaben für das Allgemeinwohl in ihrer Stadt erfüllt. 800-Jahre-Bielefeld_Herzaufkleber

Ein Blick zurück  im Jubiläumsjahr 2014 soll genau dies in der Ausstellung „Wir sind Bielefeld“  zeigen: Wie haben Bielefelder Bürgerinnen und Bürger sich in ihrer Stadt engagiert? Wo haben sie persönlich ein Vorhaben mit Stiftungen oder modernen Ideen gefördert? Welchen Ideen haben sie zugestimmt, was haben sie zu verhindern gesucht? Welche Veränderungen wurden akzeptiert, wann haben sie andere Vorstellungen von ihrem Lebensraum artikuliert?

Das Gesicht der Stadt und ihrer Strukturen wurde nicht nur vom allgemeinen Wandel der ökonomischen und sozialen, der politischen und kulturellen Felder geprägt, sondern auch von den Erwartungen der Bielefelder Bürgerinnen und Bürger, die ihre Positionen öffentlich eingebracht und häufig auch durchgesetzt haben.

Die Ausstellung zeigt Bielefelder Beispiele solchen Engagements aus verschiedenen zeitlichen Feldern: Interessant ist z.B. die Wahrnehmung, dass sich schon in der Vormoderne private Stifter der Aufgabe gestellt haben, die Schwachen in der Gesellschaft  zu stützen, oder dass angesichts von Seuchengefahr im 19. Jahrhundert die Idee eines damals modernen Krankenhauses für die Bielefelder durchgesetzt wurde. Sie führt vor Augen, in welchen unterschiedlichen Bereichen in den letzten Jahrzehnten Protest artikuliert wurde, wenn es um den Abriss von historischer Bausubstanz oder um ökologisch umstrittene Konzepte ging.

Jeder Fall von Engagement, Protest und Auseinandersetzung um die „beste Lösung“ ist anders gelagert, und der Austausch der Argumente für oder gegen ein Projekt öffnet dem Ausstellungsbesucher den Blick in die Problemlage einer Generation, in die Hintergründe eines Konflikts und in unterschiedliche, durchaus strittige Vorstellungen von der Gestaltung der Zukunft. Manches lässt uns heute lächeln, weil argumentative Zuspitzung und Sprachwitz gerade der jungen Protestierenden oft beneidenswert sind, bei anderen Konfliktfeldern sagt man sich vielleicht “Gut, dass das nicht Wirklichkeit geworden ist“.

Hinter dem Projekt dieser Ausstellung zum Stadtjubiläum steht ein Seminar der Universität Bielefeld im Fachbereich Geschichte, das von Dr. Jürgen Büschenfeld geleitet wurde. In einer Kooperation zwischen der Universität und dem Historischen Museum Bielefeld konnten die Studentinnen und Studenten den Weg von der Archiv-Recherche bis zur Präsentation im öffentlichen Raum erproben. Auch dabei wurden sie professionell begleitet von Michael Falkenstein, Ausstellungsgestalter, Friederike Rust, Museumspädagogin, und Bernd Wagner, Historiker im Stadtarchiv. Hinter dem Projekt dieser Ausstellung zum Stadtjubiläum steht ein Seminar der Universität Bielefeld im Fachbereich Geschichte, das von Dr. Jürgen Büschenfeld geleitet wurde. In einer Kooperation zwischen der Universität und dem Historischen Museum Bielefeld konnten die Studentinnen und Studenten den Weg von der Archiv-Recherche bis zur Präsentation im öffentlichen Raum erproben.

Auch dabei wurden sie professionell begleitet von Michael Falkenstein, Ausstellungsgestalter, Friederike Rust, Museumspädagogin, und Bernd Wagner, Historiker im Stadtarchiv.

Verantwortlich für das Projekt „Wir sind Bielefeld“ im Rahmen  des Stadtjubiläums: Ursula Burkert, Ulrike Klenner