An Mutters Hand wanderte ich durch das Land, das meine Heimat war. Im Sommer, in dieser schönen Jahreszeit ging es mit uns Kinder übers Land, ich an Mutters Hand. Durch Wald und Flur sind wir gegangen. Vater hat die Zeit im Foto, das ich noch heute habe, eingefangen. Auch dieses ist mit mir durch die Zeit gewandert. An meiner Brust habe ich es behütet getragen. Fragen? Warum?

Es war an einem Tage im Mai. Als alles vorbei war, was Heimat bedeutet hatte. Aus Fotoalben habe ich dieses Bild gerissen, dann hat man mich als Letzte, der Rest der Familie, die ich nun war, aus unserer Wohnung herausgeworfen. So bin ich dann an einen anderen Ort gegangen, dieses Mal an Großvaters Hand. Und von dort bin ich, Jahre später, wieder in eine andere Stadt gewandert. Nicht mehr an Mutters Hand, nicht mehr an Großvaters Hand – ich war nicht mehr Kind, durfte es schon lange nicht mehr sein. Ich ging allein in die Fremde, wieder in eine andere Stadt. Nicht mehr mit Vater, Mutter und Brüdern. Keine Hand war mehr da. „Odyssee“ – wann würde sie zu Ende sein? Jahre gingen dahin, bin gegangen auf meinen Füßen – eigentlich wollte ich doch meine Zeit genießen, an Mutters Hand!img161 2

Helene Lück (85J.)

Fehmarn, 25.August 2015, ( mein Bruder Raimund  – geb. 1929 – hätte heute Geburtstag)