Demenz …..Alzheimer – das Schreckenswort für viele Menschen

Was ist denn eigentlich Demenz

So oft hören wir diese Worte, auf der Straße, im Fernsehen, in der Zeitung… Da ist es wieder einmal, dieses Wort, welches in den meisten Fällen Angst und Schrecken verbreitet. Horrorszenarien wie Zersetzung von Geist und Hirn, Orientierungslosigkeit und generell die Unfähigkeit, selbst für unser Handeln und Tun verantwortlich zu sein, all diese entsetzlichen Dinge, ziehen dann vor unserem geistigen Auge ab.

Sicherlich hat diese Krankheit, wie aber alle anderen Krankheiten auch, ihre Schrecken. Und das natürlich noch einmal um so mehr, da es ja die Demenz in dem eigentlichen Sinne gar nicht gibt, sondern der Begriff „Demenz“ eine Reihe von Krankheitsbildern verschiedener Ursachen und unterschiedlicher Verlaufsprozesse umfasst.

Über die zugrunde liegende Erkrankung, das Beschwerdebild sagt dieser Oberbegriff „Demenz“ zunächst einmal also gar nichts aus. Oftmals wird Demenz schlicht und ergreifend mit „Verwirrtheit“ interpretiert, die Verwirrtheit ist jedoch lediglich eine der häufigsten Begleiterscheinungen dieser tückischen Krankheit. Ein Erfolg in der Forschung ist 2019 zu melden.

Was ist also eigentlich Demenz oder der Geist ist weg?

Der Begriff „Demenz“ stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Wortteilen „de“ = weg und „mens“ = Geist / Verstand zusammen. In der wörtlichen Übersetzung aus dem Lateinischen bedeutet Demenz also so viel wie „der Geist ist weg“. Damit wäre dann auch das Hauptmerkmal einer Demenzerkrankung treffend umschrieben: der Verlust der geistigen Fähigkeiten.

Von einer Demenz spricht man, wenn mehrere höhere Hirnfunktionen, z. B. die Wahrnehmung, das logische oder abstrakte Denken, gestört sind, wobei das Leitsymptom einer Demenz die Gedächtnisstörung ist. Der Zustand ist meist irreversibel (nicht behebbar) und progressiv (fortschreitend). Das ist nach der neuesten Forschung fraglich!

Was ist denn nun also eigentlich Demenz?        Dazu wäre noch anzumerken, dass man Demenz noch einmal nach primärer und sekundärer Demenzform unterscheidet. Zu den primären Demenzen gehören natürlich die bekannteste und häufigste, die Alzheimer-Demenz, und die vaskulären (gefäßbedingten) Demenzen. Die vaskuläre Demenz, früher auch Multi-Infarkt-Demenz (MID) genannt, werden mit 20 – 25 % der Demenzerkrankungen angegeben.

Durch mehrere kleine und größere Hirninfarkte wird diese gefäßbedingte Demenz verursacht. Mischformen machen 15 % der dementiellen Erkrankungen aus, darunter fallen auch die abbaubedingten Demenzen wie Lewi-Körperchen-Demenz, Parkinson Demenz oder auch Chorea Huntington. Sekundäre Demenzen sind Folgeerscheinungen anderer – häufig außerhalb des Gehirns angesiedelter unbehebbarer Grunderkrankungen, wie z. B. Stoffwechselerkrankungen, Tumore, Depressionen, Intoxikationen (Vergiftungen), Vitaminmangelzustände, Medikamente, Alkohol oder Exsikkose (Trinkverlust, Mangel an Flüssigkeit).

Die Alzheimer-Demenz:  Mit ca. 60 % aller Demenzerkrankungen stellt die Alzheimer-Demenz die häufigste Form dar, deren Ursachen bisher noch ungeklärt sind. Diese degenerative (fortschreitende) Demenz ist gekennzeichnet durch das Absterben der Nervenzellen und ihr Verlauf ist in drei Stadien eingeteilt.:  Das frühe Stadium ist durch Gedächtnislücken- und Orientierungsstörungen gekennzeichnet. Charakteristisch ist der schleichende, nahezu unmerkliche Beginn.

Oftmals verstehen es die Betroffenen perfekt, die ersten Anzeichen ihrer Vergesslichkeit, die unvermeidbaren Pannen im Alltag und den Mangel an Konzentration und Aufmerksamkeit zu überspielen. Im mittleren Stadium ist eine selbständige Lebensführung immer weniger möglich, und man ist in den alltäglichen Dingen des Lebens zunehmend auf Hilfe angewiesen.

Die zeitliche, räumliche und personelle Orientierung nimmt weiter ab. Sprachstörungen treten auf, ebenso wie Verhaltensstörungen, z. B. gesteigerte Unruhe, Depression oder Aggressivität. Wahnhafte Störungen, z. B. die Überzeugung bestohlen worden zu sein, können hinzukommen. Begleitsymptome wie Inkontinenz oder die Umkehr des Wach-/Schlafrhytmus treten auf.

Im fortgeschrittenen Stadium nehmen die Abbauprozesse des Gehirns zu. Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt; der Bezug zur Gegenwart geht verloren. Harn- und Stuhlinkontinenz treten nun sehr häufig auf, zudem können Schluckstörungen und Krampfanfälle vermehrt auftreten. Nach durchschnittlich sechs Jahren ist die Demenz soweit fortgeschritten, dass alle kognitiven Funktionen des Betroffenen beeinträchtigt sind. Die durchschnittliche Krankheitsdauer vom ersten Auftreten der Symptome bis hin zum Tod wird auf etwa sieben Jahre geschätzt.  Tja, so sehen leider die traurigen Fakten aus.

Doch muss Demenz wirklich immer traurig sein? Nein, bei weitem nicht! Zunächst einmal kann man ja schon im Vorfeld oder im Verlauf der Krankheit einiges tun. Die körperliche und geistige Fitness anzuregen, ist da z. B. ein probates Mittel. Gedächtnistraining mit Spielen wie „Stadt, Land, Fluss“, „Liederraten“ oder andere Wortfindungsaktivitäten sollen das Gehirn wach und die grauen Zellen auf Trab halten.

Manchmal ist es schon ein einfaches „Mensch ärgere dich nicht“, um den alten Menschen eine Freude zu machen und die Wahrnehmng zu schärfen. Zu dem laden Gymnastikgruppen zum Mitmachen ein, um einen etwaigen Mangel an Bewegung vorzubeugen und die Durchblutung zu fördern. Da viele der Alzheimer-Erkrankten auch körperlich nicht mehr so mobil sind, ist dabei der Sitztanz eine beliebte Abwechslung.

Denn alte Menschen und natürlich auch demente alte Menschen brauchen viel Zuwendung und viel Spaß, damit sie die Freude am Leben nicht verlieren und nicht das Gefühl haben, untätig und sinnlos vor sich hin zu vegetieren. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurde in den letzten Jahren das ganz neue Berufsfeld der „Alltagsbegleiter“ ins Leben gerufen. Diese Damen und Herren sind eigens geschult im Umgang mit Demenzkranken und psychisch Behinderten und in den meisten Alten- und Pflegeheimen ein unabdingbares „Muss“.

Geduld müssen sie haben und viel Humor, denn Demente leben in ihrer eigenen Welt, in der es durchaus fröhlich zugehen kann, wirken die Menschen nach außen auch apathisch und teilnahmslos. Doch manchmal reicht schon eine Zeile eines Gedichtes aus, und der Betreute gibt ganze Werke wie „Der Erlkönig“, „Herr Ribbeck zu Ribbeck im Havelland“ oder Schillers „Glocke“  zum besten.

Alltagsbegleiter lesen vor, halten Hände, nehmen in den Arm, begleiten bei Spaziergängen und Arztbesuchen, helfen beim Essen, und, was noch viel wichtiger ist, sie sind einfach nur für die Betroffenen da. Zwar kann es auch schon mal recht brenzlig werden, wenn es mit der Kommunikation, die oftmals nur auf non-verbaler Ebene stattfindet, nicht so richtig klappt. Doch, mal Hand aufs Herz, wer würde nicht aggressiv werden, wenn er ständig einen Hammer und einen Schuh in die Hand gedrückt bekäme, bloß weil er früher mal als Schuster gearbeitet hat?

Womöglich hat er den Beruf ja damals schon gehasst und sich all die Jahre nur auf sein Rentnerdasein gefreut.  Wichtig für den Alltagsbegleiter ist es also, vorhandene Ressourcen erst einmal zu entdecken, diese zu fördern und einen Zugang zu dem betroffenen Menschen zu finden.

Dies ist nicht immer ganz so einfach, doch ein Mittel wirkt dabei Wunder: die Musik!!!!! Es ist erstaunlich, wie positiv die meisten der an Demenz erkrankten Menschen auf Musik reagieren. Lieder wie „Lili Marleen“, „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Röslein auf der Heide“ wecken die Erinnerung, doch manchmal sind es auch einfach nur Klänge und Laute, die die Aufmerksamkeit erregen.

Man bedenke hierbei, dass die Betroffenen in einer Welt groß geworden sind, in der Fernsehen und Radio in der Unterhaltung noch keine Rolle spielten, und es als das Größte galt, ein Instrument zu beherrschen. So gab es da z. B. in einem Heim einen alten Herrn, dem es inzwischen schon sehr schwer fiel, ganze Sätze zu formulieren, und wenn er es dann doch mal schaffte, war es immer nur die Frage, wie es seiner Frau denn ginge, die allerdings bereits seit Jahren verstorben war.

Das alles begriff er nicht mehr, aber seine Mundharmonika, die spielte er perfekt.  Und genau diese Liebe zur Musik ist es, was uns immer wieder den Zugang zu den Demenzkranken erleichtern kann. So können Ressourcen gefördert werden und Spaß bringt es obendrein. Ganz viel davon weiß Henning Meier zu erzählen.

Denn Henning Meier ist Musikgeragoge bei der Arbeiterwohlfahrt in Bielefeld und beschäftigt sich tagaus, tagein mit diesem Thema. Aber was ist denn überhaupt ein „Musikgeragoge“, werden jetzt viele fragen, denn diesen Begriff finden wir im alltäglichen Leben ja doch eher selten. Ein Musikgeragoge ist jemand, der Menschen im Alter noch eine musikalische Bildung vermittelt. Denn auch für Menschen mit Demenz sind kleine oder große Erfolgserlebnisse ganz besonders wichtig.

So lässt Henning Meier z. B. auf der „Veeh-Harfe“ spielen. Die Veeh-Harfe ist ein Saitenzupfinstrument, das ohne Notenkenntnisse gespielt werden kann. Eigens für das Instrument wurde eine einfache und deutliche Notenschrift entwickelt – reduziert auf das Wesentliche. Notenschablonen, die zwischen Saiten und Resonanzkörper geschoben werden, ermöglichen ein Spielen „vom Blatt“ – die Noten werden begreifbar. Entwickelt wurde die „Veeh-Harfe“ durch den Landwirt Hermann Veeh, der auf der Suche nach einem Musikinstrument für seinen Sohn war, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam.

An den Fähigkeiten seines Sohnes orientiert, konzipierte Hermann Veeh ein völlig neues Musikinstrument – einfachst in der Handhabung, ansprechend in der Formgebung und bezaubernd im Klang.  Doch das ist bei weitem nicht alles, was Henning Meier und die AWO in Sachen Musik für die alten Menschen tun. So wurde dann auch das „musikmobil“ ins Leben gerufen. musikmobil ist der musikalische Besuchsdienst von Freiwilligen für Menschen mit Demenz.

Mit dem musikmobil, einem Auto voller Musikinstrumente, besuchen die Freiwilligen, die AWO-Seniorenzentren und Tagespflegen in der Region Ostwestfalen-Lippe, um dort gemeinsam mit Bewohner/innen und Gästen Musik zu erleben und Musikangebote zu gestalten.

Und dabei kann es schon mal recht hoch hergehen: unter dem Motto »Mehr Lebensqualität im Alter: Miteinander musizieren!« versammelten sich rund 60 Bewohnerinnen und Bewohner aus den Seniorenzentren der Arbeiterwohlfahrt Ostwestfalen-Lippe e.V, sowie weitere Teilnehmer aus dem AWO Fachseminar für Altenpflege und dem AWO Jugendwerk auf dem Alten Markt in Bielefeld, um im Rahmen eines Flashmobs miteinander zu musizieren.

Projektmitarbeiter und Musikgeragoge Henning Meier, dirigierte und gab an diesem lauen Sommernachmittag mit seiner einer Kuhglocke ähnlichen » Hand-Cowbell« den Rhythmus vor. Dieser sprang dann auch sofort auf die Teilnehmer über, die mit Instrumenten wie Egg-Shakern, Klanghölzern, Schellenbändern und jeder Menge Applaus-Stäben den Alten Markt in Bielefeld für eine kurze Zeit in eine Konzertbühne verwandelten.

So blieben dann auch verdutzte Passanten an Ort und Stelle stehen und wurden auf die Aktion aufmerksam, ja ließen sich sogar vom Rhythmus anstecken, griffen spontan zu den bereitgestellten Musikinstrumenten und musizierten begeistert mit.Tja, von wegen, mit den Alten und Demenzkranken ist nichts mehr los!!!!!!!!!!!!!

Vielleicht haben ja auch Sie von der Demenz betroffene Angehörige in der Familie, oder Sie sind selbst beunruhigt, diese Krankheit könne Sie einmal befallen, oder Sie möchten sich sogar selbst als freiwilliger Helfer betätigen: in Bielefeld gibt es viele Möglichkeiten dazu und auch die passenden Ansprechpartner.

Informationsmaterial über Demenzerkrankungen und Adressen von Gesprächskreisen sind z. B. über das Demenz-Service-Zentrum OWL, den AWO Bezirksverband OWL e.V., erhältlich. Ansprechpartner sind Frau Kölkebeck und Herr Eickmeyer unter der Telefon-Nummer: 0521-9216456. Und wer mehr über das musikmobil erfahren möchte hat dazu die Gelegenheit unter:

Kontakt:

musikmobil: Eine Einrichtung der AWO Ostwestfalen-Lippe e.V. Detmolder Str.                         33605 Bielefeld

Tel. (0521) 92 16 – 458

E-Mail musikmobil@awo-owl.de

Infos, Termine, Veranstaltungen:
www.awo-musikmobil.de

In Kooperation mit der Freiwilligenakademie OWL
Gefördert durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW

Angela Antrop